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Zur Verfügung stehen folgende Artikel:
Als Tom Cruise
zwei Finger verlorIn der Berliner Morgenpost erschienen unter der Rubrik
Berliner Filmwirtschaft
Sonntag, 29. Juni 2008 - Von Patrick Goldstein
Der Filmbranche geht es nicht anders als anderen Wirtschaftszweigen: Wer in Zukunft
auf dem Markt mithalten will, muss immer auf dem neuesten technischen Stand sein.
Am Medienstandort Babelsberg gelingt dies. Hier werden am Computer Traum- und
Horrorszenen geschaffen - auch für Hollywood.
Mögen Filme wie „Speed Racer“ ihre atemberaubende Spannung auch in einer unfassbaren Fantasiewelt entfalten, die wahnwitzigsten Szenen vieler Streifen entstehen heute nur wenige Kilometer entfernt in Brandenburger Hightech-Büros. Die Filmwirtschaft prognostiziert den Effekt-Designern den nächsten Medienboom für die Region.
Die Autobahnen von „Speed Racer“ etwa, für den die spleenigen „Matrix“-Regisseure Andy und Larry Wachowski 2007 Schauspieler wie Susan Sarandon, Christina Ricci und John Goodman zum Dreh nach Babelsberg und Berlin geholt hatten, entwarf Carsten Woithe. Am Bildschirm schafft er die „visual effects“, kurz VFX. Da werden aus 100 Komparsen auf Tastendruck einfach mal 10.000, entstehen Kulissen aus Kostengründen nicht aus Holz und Stahl, sondern aus Pixeln.
Firmen aus traditionellen Filmplätzen wie München und Nordrhein-Westfalen, wo die deutsche VFX-Branche am stärksten ist, lassen sich an der Spree nieder. „Die haben Leute, die bei ,King Kong' oder ,I, Robot' dabei waren. Mit solchen Firmen kann die Region alle Anforderungen erfüllen“, so Woithe. Die großen Filmemacher stellen im Gegenzug fest, dass „VFX made in Berlin“ funktioniert, und kommen wieder: Roman Polanski etwa ließ sich von einem Kreuzberger Unternehmen seinen „Oliver Twist“ aufpolstern. Jetzt kehrt er zu den nächsten Dreharbeiten des Polit-Thrillers „The Ghost“ zurück.
„Dieser Teil des Geschäfts wächst rasant“
Berlin und Brandenburg seien für VFX-Unternehmen jetzt hochinteressant, sagt auch Thomas Peter Friedl. Der ehemalige Vorstand der Constantin Film, während dessen Amtszeit Kinohits wie „Lissi und der wilde Kaiser“, „Das Parfüm“ und „Der Untergang“ in die Kinos kamen, ist heute Geschäftsführer des Kinoproduzenten Ufa Cinema, mit Büros in Potsdam, Berlin und München. „Dieser Teil des Geschäfts wächst rasant, ebenso das Produktionsumfeld“, so Friedl.
Die Aktionen, die Berlin und Brandenburg in den vergangenen zehn Jahren gestartet hätten, um „ein Filmstandort erster Wahl“ zu werden, seien erfolgreich. Das Fördersystem des Medienboards habe Vorzeigecharakter, die technischen Möglichkeiten des Studios Babelsberg seien beeindruckend. Friedl ist überzeugt: „In Zukunft werden VFX, gerade vor dem Hintergrund von Digitalisierung und 3-D-Filmen, an Bedeutung gewinnen. Aufwand, Volumen und der Bedarf werden massiv steigen. Also macht es Sinn, dass sich diese Branche in und nahe Berlin ansiedelt.“
Sie verändern Bauten und prüfen Einschusslöcher
Nicht immer sind die Aufgaben der Visual-Effects-Künstler wie Carsten Woithe so unschuldig wie im Tempo-Spektakel „Speed Racer“. Für Produktionen der jüngeren Zeit wurden etwa KZ-Bauten modifiziert (in Oscar-Gewinner „Die Fälscher“), musste unter computertechnischen Gesichtspunkten geprüft werden, wie die tödlichen Einschusslöcher in einer Autotür nach einem Anschlag der RAF aussehen könnten (für „Der Baader-Meinhof Komplex“). Und um aus Tom Cruise in „Valkyrie“ Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu machen, mussten ihm dem Vorbild gemäß bildtechnisch zwei Finger entfernt werden. Ein Job, der an Thilo Kuther ging.
Mit seiner in Frankfurt am Main angesiedelten Firma Pixomondo hat er Dependancen in München, Ludwigsburg, Los Angeles, London - und seit 2007 auch bei Berlin. Die Chefs des Studios Babelsberg, Carl Woebcken und Christoph Fisser, hatten ihn ermutigt, auch hier anzutreten.
Kuther expandierte und bekam gleich richtig zu tun. Für den Kinotrailer von „Valkyrie“ sollte sein nach Babelsberg entsandtes, mitunter 20 Mitarbeiter starkes Team die gefilmte Farbe des Himmels, das Aussehen des Berliner Messegeländes und eben die Aufnahmen der linken Hand von Cruise verändern.
Die Aufgaben, die United Artists an Pixomondo stellten, hätten keine hohe Anforderung bedeutet, seien eher ein Test gewesen, so Kuther. In den USA würden Visual-Effects-Firmen erst ab 250 Mitarbeitern ernst genommen. Was darunter liegt, etwa sein 120-Mitarbeiter-Unternehmen, sei kein schlagkräftiger „Laden“, sondern eine „Boutique“, sagt Kuther.
Künftig soll man Animation hier auch studieren können
Pixomondo hat sich dennoch offenbar bewährt, denn in der aktuellen Produktion der Wachowski-Brüder, „Ninja Assassin“, die dieser Tage in Babelsberg abgedreht wird, sind Kuther & Co wieder dabei.
Um den Nachwuchs neuer Talente kümmert sich Manfred Büttner. Sein exzellenter Ruf in der Branche fußt auf dem, was er für rund 50 Filme wie „Lola rennt“, „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“, „Whale Rider“ und „Oliver Twist“ schuf. Nun gibt VFX-Berater Büttner sein Wissen weiter. Auch „weil wir auf dem Feld der visuellen Effekte am Standort einen hohen Nachholbedarf haben“, nahm am 1. April die private Babelsberg Film School den Betrieb auf. Vor dem Start seines Studiengangs „Digital Film Design (Animation/VFX)“ im Herbst tourt Büttner durch die Republik, setzt sich mit Filmunternehmen zusammen, um zu erfahren, welche Anforderungen sie an eine neue Generation von Effekt-Designern haben. „Aus dem, was ich da höre“, so Büttner, „stelle ich den Lehrplan zusammen.“
Er wird die neuen 25 Studenten in die Arbeit der am Studio-Standort Babelsberg ansässigen Firmen einbinden, ihnen Kostenbewusstsein für Produktionen vermitteln und sie ins wahre Filmleben bugsieren: „Nur wer weiß, wie Regen am Set gemacht wird“, so Büttners Beispiel, „kann beurteilen, ob es besser ist, wenn das Gewitter aus dem Studio oder aus dem Rechner kommt.“
nach oben© BABELSBERG FILM SCHOOL GmbH